BILD Ausstellung ADZ 

Der Maler und Zeichner Naghel (Pseudonym für Rolf Nägeli) ist 1938 in Kilchberg geboren und dort aufgewachsen. Ausgebildet an der Kunstgewerbeschule Zürich, hielt er sich später wiederholt längere Zeit in Italien auf. Hier erhielt er wichtige Impulse für sein künstlerisches Schaffen, in dem die bauwerkliche Konstruktion, verbunden mit visionären Landschaftsdurchblicken, eine zentrale Stellung einnimmt. Es sind imaginäre Architekturen, sie lassen an Markthallen, Schiffshäfen und Arkaden, an Bühnen. Kuppeln und Ruinen denken, zumeist sind sie menschenleer. 

Ausgeprägte Hell-Dunkel-Kontraste vermitteln sogartige Raumeindrücke, wie sie uns in Träumen zu verschlingen drohen und in denen sich die Phantasie frei entfaltet. 

Naghels Vorliebe für präzise Ausführung, klare Linien und suggestive Zentralperspektiven ist offensichtlich Frucht seiner frühen Begegnung mit der italienischen Kunst, insbesondere seiner intensiven Auseinandersetzung mit der Malerei der Frührenaissance. Stets geht er von einer realen Gegebenheit aus, er wandelt Architekturteile schrittweise ab und führt sie in neue Zusammenhänge. Bestimmte Motive – eine Treppe, eine Fensterbank – werden zweckentfremdet, ihrer eigentlichen Funktion enthoben. Durch Hinzufügen anderer Gegenstände – eines Hühnereis, eines Schiffes – wird eine surreale Wirkung erziehlt. 

Mehrere Werke bilden oft eine geschlossene Serie. So diente eine steinerne Treppe im Haus von Ahnen des Künstlers als Vorlage zu der bereits 1978 konzipierten, etwa zehn Bilder umfassende Reihe „Stäge“. Die unregelmässig-schwarz umrandeten Durchblicke muten an, als ob sie aus einem Album herausgerissen seien, gleichsam Bruchstücke der Erinnerung. 

(Auszug aus „Romantische Visionen ins Leere“) 

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